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Ich war kurz am überlegen, ob ich zur Freiwilligendienst-Diskussion meinen ersten Tag als noch unausgebildeter Zivi verblogge.
Ziemlich traumatisch blutig und sehr belastend - doch bei Zivis spricht niemand von posttraumatischen Belastungen.

Statt Blog ein Thread:

Ein heißer Augusttag: Wir brauchen ca. 2 Minuten vom Notruf bis zur Wohnung. Ein 32jähriger Papa erstickt an einem Wespenstich, bei der Geburtstagsfeier seine Tochter.

Als alles vorbei ist, räume ich das „Schlachtfeld“ um die Reanimation auf, lege eine Decke über den Luftröhrenschnitt, damit nicht noch mehr Fliegen kommen. Nach einer Stunde Reanimation riecht es nach Blut, Schweiß, Kerzen und Kuchen.

Ich gehe aus dem Wohnzimmer in dem noch „Happy Birthday“ und Luftschlangen hängen.

Vor der Tür steht die Ehefrau. „Was ist denn jetzt mit meinem Mann?“

Die Ärzte haben sich verpisst, ohne etwas zu sagen.

Den Zusammenbruch der Frau und das Weinen der Familie werde ich nie im Leben vergessen.

Ich glaube, dass mir die Zeit im Rettungsdienst für mein späteres Leben viel gebracht hat.

Trotzdem bin ich inzwischen gegen einen Freiwilligen-Dienst. Wer Menschen in diesem Alter in solche überfordernden Situationen schickt sollte sie a) vernünftig ausbilden, b) vernünftig und nachhaltig betreuen, c) vernünftig bezahlen.

Nachtrag:
Meine Tochter ist gerade im FSJ - und es macht ihr viel Spaß. Auch ich fuhr noch jahrelang ehrenamtlich Rettungsdienst. Solange das freiwillig ist, und die Menschen ordentlich betreut werden ist das auch gut.
Dies künftig aber wieder verpflichtend zu tun, halte ich aus den genannten Gründen für problematisch.

Die "Zwangsarbeit"- und "weiße Männer ab 50"- Rhetorik auf twitter und Mastodon werden der Problematik aber auch nicht gerecht.

@witt_s und wohlgemerkt, zivis die sowas gemacht haben, haben kriegsdienst verweigert, sich auf so einen job beworben und diejenigen die ihn vergeben haben überzeugt das zu packen. wenn jetzt ein jahrgang in nicht nur körperlich harte, sondern v.a. emotional belastende jobs gezwungen werden soll wird das eine katastrophe

@Odradek @witt_s Zivis die sowas gemacht haben, wurden dazu gezwungen, weil sie sonst sonst Dienst an der Waffe hätten leisten müssen.

Auswahl unter Zwang ist auch nur das: Zwang

@morre @witt_s jein. wer nichts gemacht hat kam zum bund. wem ein zivi-platz zugewiesen wurde - das baz nahm sich dafür mindestens ein jahr zeit, es auch nur anzudrohen - bekam garantiert nicht sowas. das war "die elite", während leute denen niemand was zutraute eher z.b. zum djh kamen. bettenmachen und teller spülen ist zwar scheiße, aber das risiko für die psychische gesundheit ist überschaubarer als leute sterben zu sehen.

@morre @witt_s bedenke auch, wie schlecht es um die psychotherapeutische versorgung steht. also ob und wenn ja wie schnell jemand d* sich bei sowas 'ne ptbs eintritt wieder gesund wird … teile der antwort könnten die bevölkerung verunsichern

@morre @witt_s und ich versuche mir das vorzustellen: abi nach 12 jahren, aussicht auf nur einen bachelorplatz ohne anschlußmaster, weil alles schneller gehen muß als früher, aber vorher erstmal zeit ans "dienen" verlieren. in der schule coviddurchseucht, im pflichtdienst ptbs geholt, planet klimatechnisch hinüber, renten nicht mehr nennenswert -, wie fühlen sich solche leute?!

@morre @witt_s nein, zivi war nicht toll, auch wenn es individuell wertvoll sein konnte, bund nannten wir btw. "unfreiwilliges asoziales jahr" (sry für die lti), aber verglichen mit der ungerechtigkeit sowas jetzt wiedereinzuführen (zumal y-tours ja schon meinte, daß die keine verwendung mehr für zwangsrekruten haben; wenn aber selbst der job als soldat*in zu anspruchvoll geworden ist für zwangsarbeit, wie sollte dann pflege … ach, ich reg mich zu sehr auf) …

@Odradek @witt_s Na scheiße natürlich. Wird nicht besser durch einen Zwangsdienst.

Bin froh dass die Wehrpflicht ~2 Monate vor meiner Musterung ausgesetzt wurde.

@witt_s

Ich hatte meinen Zivi Dienst in einem ReHa Zentrum gemacht.

Es war teilweise sehr belastend, aber auch eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Bevor alte weiße Männer fordern, einen Dienst an der Gesellschaft zu machen, sollten die alten weißen Männer endlich mal dafür sorgen, dass die nachfolgenden Generationen noch was von unserem Planeten haben.

Ich war 15 Jahre in der SPD...

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